Tatort: Querschläger

Tatort: Querschläger
© Christine Schroeder (dpa)

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Hamburg (dpa) - Ein Baum. Ein Schuss. Ein Scharfschütze. So beginnt der neue Hamburger «Tatort» mit Hauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Oberkommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz).

Schon am Anfang ist also klar, wer den ersten Toten des ARD-Sonntags-Krimis «Querschläger» auf dem Gewissen hat - der Familienvater Steffen Thewes (Milan Peschel). Unklar ist dagegen, warum der unscheinbare Mann auf einem Rasthof auf die Ladung eines Lastwagens geschossen und so durch einen Querschläger einen unbeteiligten Brummifahrer getötet hat. Und bei den Ermittlungen im Trucker-Millieu stoßen Falke und Grosz zunächst auf eine Mauer des Schweigens. Erst nach und nach bringt der «Tatort»-Autor Oke Stielow Licht ins Dunkel.

Denn Thewes hat eine Tochter, die wegen einer degenerativen Wirbelsäulen-Erkrankung ans Bett gefesselt ist und Weihnachten wohl nicht mehr erleben wird. Mit halbillegalen Medikamenten lindern die Eltern die Schmerzen ihrer Tochter, ihre letzte Hoffnung auf Heilung ist eine sehr teure Operation in den USA. Thewes, der als Zollfahnder durchschnittlich verdient, will so verzweifelt das Leben seiner Tochter retten, dass er einen gefährlichen Plan ausheckt. Als der in vielerlei Hinsicht schief geht, wird aus dem besorgten Familienvater ein wahnsinnig gefährlicher, verzweifelter Mann. Wie viele Grenzen wird er für seine Tochter überschreiten?

Die neue Produktion des Norddeutschen Rundfunks nimmt sensibel die tiefen Gefühle von liebenden Vätern in den Blick - und die Gratwanderung zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem, wenn das eigene Kind in Gefahr ist. Dabei unterstreicht Regisseur Stephan Rick mit Nahaufnahmen, Szenen mit der Handkamera, Drohnenaufnahmen und schnellen, an ein Gedankenkarussell erinnernden Schnitten die Zerrissenheit und Verzweiflung der Protagonisten.

Wotan Wilke Möhring hat den neuen «Tatort» gern gedreht: «Die Geschichte fand ich toll, weil sie in einen Kriminalfall verpackt von einem menschlichen Dilemma erzählt. Ein Mann, der vorher der super Gute war, der super Anständige, der für den Staat jahrelang gearbeitet hat und mit ansehen musste, was nebenbei alles illegal gemacht wird. Dass dieser besonders gute Mensch anfällig ist für die Saat des Bösen, das fand ich sehr interessant», sagte Möhring laut Presseheft.

In «Querschläger» wird in dem Zusammenhang auch Falkes weiche Vater-Seite gezeigt. Wenn er mit Katze im Arm und in Unterhose nachdenklich über den Kopf seines schlafenden, fast erwachsenen Sohnes streicht, hat das etwas sympathisch Zartes. Auch auf die kleinen Frotzeleien auf Augenhöhe zwischen den beiden Kommissaren Falke und Grosz müssen die Zuschauer nicht verzichten.

Gleichzeitig arbeitet Autor Stielow mehrere zusätzliche Themen in den Plot ein: die Grenzen des Gesundheitssystems bei seltenen Erkrankungen und Homosexualität bei der Polizei. So wird am Rande der Ermittlungen die toughe Grosz von der lesbischen Polizistin Tine (Marie Rosa Tietjen) angeflirtet und erst vom eher ruppigen Falke brüderlich liebevoll darauf hingewiesen. «Es war oft die Frage, wohin geht die Grosz eigentlich, wenn sie geliebt werden will oder lieben will», sagte Autor Stielow dazu laut Presseheft. Die Zukunft werde zeigen, wo das hingehe. «Fakt ist: Homosexualität in der Polizei ist ein extrem sensibles Thema.»

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