«Freak & Chic»: Gaultier und sein Kindheitstraum

Jean Paul Gaultier: Freak & Chic
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Dokumentarfilm

Paris (dpa) - Jean Paul Gaultier war neun Jahre alt, als er erstmals im Fernsehen eine Revue im legendären Pariser Kabarett Folie Bergère sah. Mehr als 50 Jahre später hat der französische Modeschöpfer dort seine eigene Revue präsentiert und sich damit ein Kindheitstraum erfüllt.

Denn die Schau der Tänzerinnen mit ihren Federn und Pailletten verzierten Kostümen war wegweisend für Gaultiers weitere Entwicklung: Von da an, begann er zu zeichnen.

Der Dokumentarfilmer Yann L’Hénoret nimmt die spektakuläre Revue «Fashion Freak Show» von Gaultier als Kulisse, vor und hinter der er den Designer zeigt. Die Revue feierte am 18. September 2018 Premiere und erzählt mit viel Tanz, Musik und herrlichen Kostümen das Leben des Kreateurs, der sich rund 16 Monate später im Alter von 67 Jahren von der schillernden Welt der Haute-Couture verabschiedet hat.

L'Hénoret folgte Gaultier mit seiner Kamera rund sechs Monate lang. Er zeigt ihn bei den Vorbereitungen mit den Tänzern, der Choreografin. Dabei plaudert der Designer munter aus dem Nähkästchen: über seine Kindheit, seine schwierige Schulzeit, dem Gefühl des Ausgeschlossenseins, weil er sich nicht wie seine Altersgenossen herumprügelte, sondern mit seinem Stoffbären spielte.

Auch seine Beziehung zu Francis ist kein Tabu, der vor mehr als 30 Jahren an Aids gestorben ist. Ohne ihn wäre er nicht da, wo er heute ist, gesteht der Designer in dem Film. Gaultier begann 1976 mit seiner eigenen Kollektion, Anfang der 80er Jahre startete er sein eigenes Modehaus. Er galt einst als «enfant terrible» der Modewelt. Mit seinen provokanten Entwürfen sorgte er lange für Aufsehen. Zu den bekanntesten Kreationen zählen sein Spitztüten-BH, den er 1990 für Madonnas Blonde-Ambition-Tour kreiert hat, sowie der Matrosen-Look.

Freak & Chic, von Yann L’Hénoret, Frankreich, 2018, 100 Min

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