Filmfigur Angela Merkel: Krisenmanagerin und vor Gericht

Die Getriebenen
© Volker Roloff (dpa)

Wirklichkeit und Fiktion

Berlin (dpa) - Katharina Thalbach, Heike Reichenwallner, Imogen Kogge und auch Hape Kerkeling haben es schon getan: Angela Merkel im Film verkörpern.

An diesem Mittwoch (20.15 Uhr) folgt ein weiterer Streich fiktiver Merkel-Darstellung. Martina Eitner-Acheampong erscheint als «Frau Merkel» im ARD-Thriller «Ökozid» als Zeugin vor Gericht.

Eine Übersicht von Filmen mit Bundeskanzlerin Merkel als Figur:

- «Ökozid»:Im Rahmen eines Themenabends «Klimakrise» zeigt die ARD am 18. November (dann vier Wochen in der Mediathek) dieses Filmprojekt von Andres Veiel («Black Box BRD»). Der Film spielt 2034. Die Folgen des Klimawandels zeigen sich in Dürre- und Hochwasserkatastrophen. Der Sitz des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag wurde nach Sturmfluten geräumt.

In einem Gebäude in Berlin wird die Klimakatastrophe zum Gegenstand eines juristischen Verfahrens. Zwei Anwältinnen vertreten 31 Länder des globalen Südens, die sich dem Untergang geweiht sehen. Ranghohe Vertreter aus Politik und Industrie werden als Zeugen geladen, darunter Frau Merkel (Martina Eitner-Acheampong). Das Gericht muss entscheiden, ob die deutsche Politik für ihr Versagen beim Klimaschutz zur Verantwortung gezogen und damit ein Präzedenzfall auch beim Schadenersatz geschaffen wird.

- «Die Getriebenen»:In dem im April 2020 gezeigten ARD-Historienfilm auf Grundlage eines Sachbuchs des Journalisten Robin Alexander («Welt») wird die sogenannte Flüchtlingskrise 2015 rekonstruiert. Unter anderem spielt Josef Bierbichler Horst Seehofer, Tristan Seith Peter Altmaier, Rüdiger Vogler Wolfgang Schäuble und Uwe Preuss Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer.

Imogen Kogge sagte über sich als Kanzlerin: «Dass jeder inner- und außerhalb unseres Landes meint, Frau Merkel gut zu kennen, hat die Annäherung an meine Rolle nicht unbedingt einfacher gemacht.» Es sei ihr aber nicht darum gegangen, Merkel zu kopieren oder ihr besonders ähnlich zu sehen.

Ihr Blick auf die Politik habe sich beim Dreh verändert: «Mein Respekt ist gewachsen vor denen, nicht nur vor Angela Merkel, die tagtäglich, und zwar gemeinsam, um ernsthafte Entscheidungen ringen, sich kompromissbereit zeigen müssen und doch ihren Idealismus behalten.» Das tägliche Pensum Merkels lasse «uns alle als Schwänzer dastehen».

- «Stunden der Entscheidung: Angela Merkel und die Flüchtlinge»: Dieses Doku-Drama war ein Wagnis, weil es das Risiko eingeht, fürs Publikum vorhandene Leerstellen der Politik mit fiktiven Szenen zu füllen. Das TV-Publikum sitzt mit Merkel (Heike Reichenwallner) mit im Auto, im Flugzeug, im Hinterzimmer, ist bei den Telefonaten dabei. Es geht um den Abend vom 4. September und die Nacht zum 5. September 2015, also jene Stunden, in denen sich Tausende Flüchtlinge vom Budapester Ostbahnhof aus auf den Weg zur ungarisch-österreichischen Grenze machten und Deutschland entschied, sie nicht abzuweisen.

Offen bleibt aber die Frage: Wieso wurde aus der Ausnahme über Monate der Normalfall? Hängen bleibt eine Aussage von Ex-Innenminister Thomas de Maizière: «In einer politischen Krise gibt es viele Schlaumeier, die sagen: Das hätte man ja alles wissen können. Vor allem hinterher.»

- «Der Minister»: In dieser Sat.1-Satire von 2013 geht es um eine Plagiatsaffäre des fiktiven deutschen Ministers Franz Ferdinand Freiherr von und zu Donnersberg. Der Stoff ist angelehnt an den Aufstieg und Fall des früheren Wirtschafts- und Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg.

Überragend ist Katharina Thalbach als Kanzlerin Angela Murkel (ja wirklich mit «u»), egal ob im Kabinett oder mit Suppenkelle. Bester Satz: «Es gibt Dinge, von denen die Menschen nicht wissen wollen, wie sie gemacht werden. Dazu gehören Gesetze, Krieg und Wurst.» Dann schiebt sie sich eine zusammengerollte Wurstscheibe in den Mund.

- «Horst Schlämmer - Isch kandidiere!»:Bei Kritikern kam diese zu brave Komödie, die 2009 gut 1,3 Millionen Kinobesucher hatte, eher schlecht weg. Unter dem Motto «Yes Weekend» schlägt Hape Kerkeling in seiner Rolle als Horst Schlämmer, stellvertretender Chefredakteur des «Grevenbroicher Tagblatts», einen Bundeshasen als neues Wappen vor.

Als Merkel sagt Kerkeling im TV-Duell mit Schlämmer, nachdem sie Redezeit für sich reklamieren musste («Was ist mit meinen 30 Sekunden?»): «Wir werden - und das hab ich auch immer gesagt - zusammen mit unseren Freunden aus Amerika, auch jenseits des Atlantiks, jedenfalls werden wir den Kurs, den wir eingeschlagen haben, auch weiter einschlagen werden. Heute ist nicht Morgen. Und wenn wir unser Ziel gemeinsam erreichen wollen, dann müssen wir es auch durchziehen und durchhalten. Das Ziel. Deshalb wählen Sie bitte am Sonntag: die Dings.»

- «2012 - Das Ende der Welt»: In diesem Hollywood-Katastrophenfilm von Roland Emmerich aus dem Jahr 2009 kommt am Rande eine rundliche Dame als deutsche Regierungschefin vor. Dargestellt wird sie von der kanadischen Schauspielerin Merrilyn Gann.

- TV-Satire in Großbritannien:Ein Hingucker war und ist Tracey Ullman als Angela Merkel in der BBC-Sendung «Tracey Breaks the News». Dort ist zum Beispiel Merkels «poker face problem» Thema. Angesichts nerviger Mitstreiter wie Russlands Präsident Putin wird die «Chancelorette» vom eigenen Augenrollen im wahrsten Sinne umgehauen.

- Dokus: Sehenswert ist die vier Jahre alte ARD-Doku «Angela Merkel - Die Unerwartete» (im Dezember 2016 bei Arte und im Ersten; heute zum Beispiel bei Amazon Prime). Darin kommt neben Wegbegleitern auch Merkel selbst zu Wort. Die studierte Physikerin bekennt: «Es war am Anfang als Politikerin sehr schwer, doch sehr häufig dasselbe zu sagen und die gleichen Worte zu benutzen und zu wissen, das ist Teil des Erfolgs, weil erst wenn ich es fast nicht mehr hören kann, es beginnt, bei anderen auch anzukommen. Und das ist nicht geistige Erschlaffung, dass man zwei Mal dasselbe sagt. Das war in meinem früheren Beruf anders. Wenn ich da nach einer Woche mit demselben gekommen wäre, dann wär sozusagen das Arbeitsergebnis null gewesen.»

- TVnow, der Streamingdienst der RTL-Mediengruppe, plant für Ende 2021 eine vierteilige Dokumentation über das Leben von Angela Merkel und ihre vier Amtszeiten als Bundeskanzlerin. Das Drehbuch für das Filmprojekt schreibt Stefan Aust, Herausgeber der «Welt» und «Welt am Sonntag» und viele Jahre «Spiegel»-Chefredakteur. Der heute 74-Jährige arbeitete schon für die ARD-Doku «Hannelore Kohl - die erste Frau» mit der Firma Ufa Fiction zusammen.

© dpa-infocom, dpa:201115-99-338230/5

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