David Gray: Vom Popstar zum Folk-Barden

David Gray
© Derrick Santini (dpa)

Skelling

Berlin (dpa) - Nein, dass David Gray als junger Kerl in Punkbands spielte, hört man seinem neuen Album «Skellig» nun wirklich nicht an.

Reduziert auf ein Gerüst aus Piano, Akustikgitarre und angenehm aufgerauter Stimme sind die meisten der aktuellen Songs des 52-jährigen britischen Folk-Barden. Ob er mit diesen kargen Liedern je wieder ein Massenpublikum erreichen wird wie vor rund 20 Jahren, erscheint zweifelhaft.

Es gab nämlich Zeiten, da war der in Manchester geborene Gitarrist, Pianist und Sänger höchst populär, mit Nummer-eins-Alben (gleich drei in der Heimat zwischen 2000 und 2005) und Auftritten vor riesigen Menschenmengen. Es war ein bisschen wie heute beim ebenfalls für viele Beobachter unfassbaren Popstar-Erfolg eines Ed Sheeran.

Gray, der als Singer-Songwriter schon früh prominente Fürsprecher wie Joan Baez oder Bono von U2 hatte, ließ den Hype nach der Durchbruch-Platte «White Ladder» und dessen Nachfolgern irgendwann austrudeln. Immerhin: Zwölf Millionen Tonträger soll er in den fetten Jahren verkauft haben.

Auf seinem zwölften Album lässt es Gray sehr ruhig angehen. Maximal mittleres Tempo nehmen die 13 Lieder auf, häufig sind zarte, leicht keltisch angehauchte Balladen und kleine Hymnen wie «Spiral Arms» oder «Dares My Heart Be Free» zu hören. Nach den nicht so ganz zu ihm passenden elektronischen Einflüssen von «Gold In A Brass Age» (2019) ist der rustikale, melancholische Sound von «Skellig» vertrautes Terrain - auch für langjährige Fans.

Er habe sich danach gesehnt, «frei zu sein von all dem endlosen menschlichen Lärm, den wir inzwischen so leichtfertig als unausweichlichen Teil unseres täglichen Lebens ansehen», sagt Gray. Mit dem neuen Album, das milden Wohlklang nicht scheut, aber hohles Pathos vermeidet (Ausnahme: «Heart And Soul»), liefert Gray willkommenen akustischen Seelenbalsam.

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